Nähst du für die Ewigkeit?

[Die Bilder in diesem Post zeigen mein aktuelles Projekt: einen Trenchcoat, der sehr viel Zeit beansprucht und den ich hoffentlich lange tragen werde.]

Okay, Ewigkeit könnte etwas übertrieben sein. Aber in den letzten Wochen habe ich darüber nachgedacht, wie ich meine Nähprojekte angehe und wie lange ich mir vorstelle (vornehme) sie zu tragen. Das sind im Grunde zwei Fragen, die sich dahinter verstecken:

  1. Wie lange will ich das Kleidungsstück tragen?
  2. Wie lange wird das Kleidungsstück halten (= tragbar sein)?

Die erste Frage ist also eher eine persönliche: Weiß ich was ich gerne trage und was bloß ein Trend ist, der im nächsten Jahr schon wieder überholt ist? Hier würde ich sagen, bin ich mit mittlerweile recht sicher, was mir gefällt, was ich gern trage -auch, wenn es nicht mehr in Mode ist. Das heißt offenbar nicht, dass ich immer dieselben Schnitte und Farben trage, aber doch in einem Bereich bleibe, den ich für mich ausgetestet und für passend empfunden habe. Darüberhinaus habe ich nichts gegen Kleidungsstücke, die nur für eine bestimmte Jahreszeit tauglich sind. Hier in Deutschland gibt es nun mal den Wechsel von warmen und kalten Jahreszeiten und obwohl ich bemüht bin, einige Teile in jeder Jahreszeit tragbar zu machen, habe ich nichts gegen Kleidungsstücke, die nur in den Sommer bzw. Winter passen. Vor gut 3 Wochen habe ich begonnen, meine Sommersachen einzupacken und die ersten Wintersachen herauszuholen (Hallo, geliebte Cordhose!). Ehrlich gesagt, liebe ich den Wechsel der Jahreszeiten und den damit einhergehenden Wechsel in meiner Gaderobe. Ein guter Bonus ist natürlich, dass die einzelnen Kleidungsstücke länger halten, wenn sie nur die Hälfte der Zeit getragen werden.

Was mich zur zweiten Frage bringt: Wie lange werden, können oder sollten meine Kleidungsstücke halten? Hier gibt es viele Kriterien, die Einfluss auf die Lebensdauer eines Kleidungstücks haben. Zum einen der Stoff: Hier kann ich mittlerweile Qualität (meistens) ganz gut erkennen, aber einige Stoffarten halten meiner Meinung nach auch einfach länger als andere. Jersey und alle anderen Stoffe, die elastisch sind, halten meiner Erfahrung nach nicht so lange wie Webware. (Ausgenommen natürlich Polyesterstoffe: die halten „ewig“, ich trage sie aber überhaupt nicht gern. Also für mich keine Alternative.)

Zum anderen gibt es noch die Qualität der Verarbeitung: Heutzutage bin ich viel eher dazu bereit mir damit mehr Mühe zu geben und Rechts-Links-Nähte zu nähen oder Nähte mit Schrägband zu versäubern. Das hat aber auch sehr viel damit zu tun, dass ich im Schnitt mehr für einen Stoff ausgebe und dann natürlich auch möchte, dass das fertige Kleidungsstück möglichst lange hält.

Zu guter Letzt gibt es noch das Tragen und Waschen. Wie sorgsam gehe ich mit meinen Kleidungsstücken um? Wie oft wasche ich sie? Und zu welchen Gelegenheiten trage ich sie? Auch hier kann man großen Einfluss auf die Langlebigkeit seiner Kleidungsstücke nehmen. Ich versuche, Kleidungsstücke (ausgenommen natürlich Unterwäsche, Socken und Strumpfhosen) so wenig wie möglich zu waschen und sie eher partiell zu behandeln. Zum Beispiel einen Fleck sofort von Hand rauszuwaschen oder Kleidungsstücke eher auszulüften anstatt gleich in die Waschmaschine zu werfen. Auch setze ich bestimmte Kleidungsstücke (weiße Bluse, helle Oberteile etc.) bestimmten Gefahren (Essen, das spritzt, dunkle Jeans, die abfärben, Makeup, das beim An-/Ausziehen an die Kleidung kommt) nicht aus, indem ich mich entweder umziehe oder meine Kleidung anders schütze.

Denkt ihr schon an die Lebensdauer eurer Kleidungsstücke, wenn ihr sie näht (oder kauft!)? Habt ihr irgendwelche Tipps (Waschen, Verarbeitung, etc.) um Kleidungsstücke langlebiger zu machen?

 

6 thoughts on “Nähst du für die Ewigkeit?

  1. Sehr spannender Post! Ich selber habe auch bei jedem meiner Kleidungsstücke den Anspruch sie möglichst lange zu tragen. Ich habe dabei genau wie du festgestellt, dass Jersey oder Stoffe mit Elastan diesem Anspruch meistens nicht genügen, daher verwende ich solche Stoffe nur noch selten. Auch bei Viskose-Webstoffen habe ich leider schon öfter festgestellt, dass sie nicht sehr lange halten 🙁
    Ich wasche meine Kleider allerdings oft nach einmal tragen, da ich jeden Tag Rad fahre und schwitze, da reicht Auslüften meistens nicht. Wenn es im Winter sehr kalt ist und ich noch ein Shirt drunter trage schützt das die Kleidung allerdings ganz gut und ich komme auch mal mit 2 Tagen tragen hin 😉 In Zukunft möchte ich mal Schweißblätter ausprobieren, dafür muss ich meine Schnittmuster aber etwas anpassen (mehr Platz unter den Armen). Ein edler Stoff wird auch durch ein Futter aus leichten Baumwollstoff ganz gut geschützt. Also den guten Stoff auch von innen schützen, das fällt mir dazu noch ein.
    Liebe Grüße,
    yacurama

    1. Vielen Dank für deinen Kommentar. Jersey nähe ich meistens nur, wenn ich mal ein schnelles kurzes Projekt zwischendurch brauche -oder eben etwas super bequemes zum tragen. 😉 Bei Viskosewebstoffen hatte ich schon welche, die scheinbar ewig halten und welche, die nach einer Wäsche total verwaschen aussahen. Da muss ich mich wohl noch etwas durchtesten. Ja, bei Bewegung und Sport ist das mit dem Waschen natürlich eine andere Sache. Das kann ich gut verstehen! Ich habe da auch ein paar Sachen, die mich von meiner Waschroutine abweichen lassen, aber die kommen bei mir nicht täglich vor. Puh, ja das mit dem Futter als Schutz hatte ich fast „befürchtet“. Ich muss gestehen, bisher sehr oft auf ein Futter verzichtet zu haben -gerade bei Kleidern und Röcken schrecke ich davor irgendwie immer zurück. Vielleicht ist es auch nur Faulheit. 😉 Aber diesen Winter nähe ich einige Wollröcke, die auf jeden Fall ein Futter benötigen. Also gibt es jetzt für mich keine Ausreden mehr.

      Liebe Grüße, Maria

  2. täuschen mich meine Äuglein oder ist das der Trenchcoat burda 118-112012?? An dem sitze ich auch gerade, bzw erstmal am Futtermantel, das ich als Probeteil verwende…
    Bei mir gibt es einige Teile, die ich möglichst lange erhalten will (beispielsweise meinen roten Wintermantel, den ich letztes Jahr genäht hatte). Allerdings gehört Kleidung nun mal zu den Gebrauchsgegenständen und wird irgendwann ersetzt werden müssen- TShirts und Unterwäsche sind da ganz vorne mit dabei. Bei manchen Teilen soll wohl auch das Einfrieren über Nacht helfen (zB bei einer Indigofärbung). Ansonsten versuche ich die Sachen so schonend wie möglich zu waschen und -wie du schon schreibst- auslüften zu lassen…Vielleicht hilft es auch, von manchen Sachen etwas mehr Teile zu haben, um die einzelnen Stücke etwas weniger zu „belasten“? (es muss halt zum Rest des Kleiderschranks passen)

    LG Maria (Am Samstag startet die nächste Runde der Nähplauschlinkliste bei mir auf dem Blog- falls du Lust hast, kannst du gerne dein Trenchcoatprojekt verlinken…? :))

    1. Wow, einen super Blick hast du! Ja genau, das ist der Burda-Trenchcoat 118 aus der 11/2012. Leider habe ich es auch nach mehrmaligen Versuchen (und verschiedenen Verstärkungen) nicht geschafft dieses asymmetrische Teil am Rücken „glatt liegend“ zu bekommen. Ich habe es sogar noch einmal neu zugeschnitten, aber es wollte nicht wie ich und stand ab. Da dann der Stoff schon etwas knapp wurde, habe ich ein neues (grades) gezeichnet und das verhält sich nun wie es soll. Aber mein Oberstoff ist auch wesentlich dünner als im Schnitt vorgeschlagen (mein mir ist es BW mit etwas Elastahn statt Wolltuch), also war das vielleicht zu erwarten.

      Ja, du hast recht, es hilft von einigen Kleidungsstücken mehrere Teile zu haben. Ich sitze grade an meiner Winter-Nähliste und habe noch einige Röcke und Blusen auf der Liste! Deine Nähplausch klingt nach einer super Idee, ich habe meine Link hinzugefügt (und hoffentlich alles richtig gemacht…!?).

      Ich bin gespannt, wie dein Trenchcoat aussehn wird und schaue gleich mal bei dir vorbei!
      Liebe Grüße, Maria

      1. Huhu, ja, das mit deiner Verlinkung hat geklappt und sie ist sichtbar.
        Die Rückenpasse habe ich bei dem Trenchcoat gleich symmetrisch zugeschnitten, von daher sollte das Teil auch da liegen bleiben, wo es hingehört (ok, da kommt noch ein Knopf hin… ;)). Vielleicht hätte es bei dir geholfen, das Teil entweder nach unten hin länger zu zeichnen oder den Stoff mit Einlage zu bändigen…? (lässt sich im Nachhinein eben auch schlecht sagen).
        Yacuramas Tipp mit den Schweißblättern finde ich auch gut, da findet man ja im Netz zum Teil die aberwitzigsten Konstruktionen (zB zum Anschnallen an den BH ;D)
        LG Maria

        1. Prima, dass es geklappt hat!
          Ja, Einlage hatte ich tatsächlich schon drin. Vermute mal, dass die 2-3% Elasthan im Stoff das Problem waren. Aber so ganz begeistert bin ich von asymmetrischen Dingen eh nie. Daher habe ich es auch nicht als großen Verlust empfunden, nun ein symmetrisches Rückenteil zu haben.
          Oh, von diesen Blättern hatte ich noch nie gehört. Anschnallen an den BH? Wer kommt denn auf solche Ideen? 😉
          Liebe Grüße,
          Maria

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