Hallo Benetton, wer näht eigentlich meine Kleidung?

Ich weiß, die Fashion Revolution Week ist vorüber, aber ich finde wir sollten alle nicht nur in dieser einen Woche im Jahr fragen, wer unsere Kleidung produziert hat, sondern immer.

Eine Marke, die mich immer wieder verwirrt, was ihre Produktionsbedingungen, ihre Nachhaltigkeit und soziales Engagement angeht, ist die italienische Marke Benetton.

Einerseits finde ich die Qualität der Sachen von Benetton wirklich gut -gerade im Vergleich mit Primark, H&M und so weiter, scheinen die Sachen von Benetton gut verarbeitet zu sein und aus hochwertigen Stoffen hergestellt zu sein -oder zumindest hochwertiger als bei anderen Fast Fashion Anbietern.

Zudem hat Benetton in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder große Werbekampagnen gemacht, die auf soziale und ethische Themen und Probleme eingingen und zum Teil mit so drastischen Bildern, dass sie in einigen Ländern verboten wurden. Auch versuchen sie merklich bei der Auswahl ihrer Models auf Vielfalt zu setzen, was ich wirklich gut finde. Das zeigt doch eigentlich, dass den Menschen bei Benetton ein sozialer Gedanke in ihrer Arbeit nicht fremd sein kann. Was ich nicht verstehe ist, warum sie dann diese ethischen Fragen nicht auf ihr eigenes Unternehmen anwenden.

Es ist bekannt, dass auch Benetton in dem 2013 eingestürzten Rana Plaza Gebäude hat produziern lassen. Immerhin hat Benetton diesen Umstand auch nicht bestritten und gut eine Million Euro an einen Fonds für die Verletzten und Hinterbliebenen des Rana Plaza-Unglücks gezahlt. Doppelt soviel wie von Experten gefordert. Gut und schön. Die Frage ist nur, was kommt danach? Haben sie einfach mehr gezahlt, um ihr Image aufzubessern und dann in den letzten Jahren weiter gemacht wie bisher oder hat Benetton tatsächlich dazugelernt und versucht, seine Produktionsbedingungen nachhaltiger und fairer zu gestalten?

Ich habe daran ehrlich gesagt meine Zweifel. Ja, es gibt Pressemitteilungen, dass sie versuchen in der Produktion weniger Chemikalien einzusetzen und das ist auch gut und löblich. Damit ist aber noch nicht viel für die Arbeitsbedingungen der Arbeiter getan. Toxische Mittel sind nur ein Problem, mit dem die Arbeiter in der Konfektionierung zu tun haben.

Andererseits hat Benetton auch einige Sozialprogramme, die in eine andere Richtung weisen, wie z.B. das Women Empowerment Program oder die Einführung einer nachhaltigen Lieferkette mit einem Verhaltenskodex, an den sich auch die Zulieferer von Benetton halten müssen.

Es scheint sich also schon das eine oder andere zu tun, aber ich bin mir unsicher, wie viel von diesen großen Kampagnen tatsächlich bei den Näherinnen ankommt. Bei der diesjährigen Fashion Revolution Week habe ich zumindest nicht mitbekommen, dass Benetton Anfragen beantwortet hätte oder Einblicke in die Produktion gibt.

Bei vielen Recherchen und Marken (slow und fast fashion) bin ich tatsächlich zu dem Schluss gekommen, dass, wenn eine Marke überhaupt nichts über die Produktionsstätten und -bedingungen preisgibt, man davon ausgehen kann, dass sie nicht besonders fair und nachhaltig produzieren. Aber vielleicht tue ich Benetton damit auch Unrecht!? Ich wäre froh, über eine Antwort.

 

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